Bericht zur Veranstaltung „Gemeinsam krisenfest!“ Bevölkerungs- und Katastrophenschutz für Hirschau

5 März von Gunter Neubauer

Bericht zur Veranstaltung „Gemeinsam krisenfest!“ Bevölkerungs- und Katastrophenschutz für Hirschau

Mit dem Abend am 26. Februar im Ratsstüble setzten wir unsere kleine Vortragsreihe zum Klimawandel und zur Krisenvorsorge fort, nach den Veranstaltungen „Starkregen und Überflutung“ sowie „Hitze – die unterschätzte Gefahr“. Ziel war es, praktische Vorbereitung zu fördern, damit Hirschau auch in Ausnahmesituationen gut handlungsfähig bleibt. Die Umsetzung verzögerte sich allerdings, da sechs kommunale Stellen angefragt wurden, aber keine Unterstützung kam.

Als Experte war nun Dr. Marco Krüger, Leiter der Forschungsgruppe Sicherheitsethik am Ethikzentrum der Universität Tübingen, eingeladen. Er war von 2022 bis 2024 Mitglied der Enquetekommission „Krisenfeste Gesellschaft“ des Landtags und vermittelte fundierte Einblicke in gesellschaftliche Resilienz, Eigenvorsorge und Katastrophenschutz.

Auch wenn es manchmal anders wirkt: Die größten Katastrophen für Hirschau sind nicht, wenn es am Rosenmontag regnet oder die Neckarbrücke gesperrt ist. Auch Neckarhochwasser stellt ein geringes Risiko dar, während Hitze, Starkregen und technische Ausfälle relevanter sind. Durch den Klimawandel werden Extremereignisse häufiger. Dr. Krüger machte deutlich, dass viele Katastrophen nicht vorhersehbar oder vollständig vermeidbar sind. Entscheidend seien praktische Vorbereitung, gegenseitige Hilfe und die aktive Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger.

Er gab konkrete Hinweise, wie man sich selbst vorbereiten kann. So empfahl er Wasserreserven, ein Kurbelradio und eine Taschenlampe. Diskutiert wurden ein Megaphon zur Information der Nachbarschaft oder ein großer Sack Reis im Keller. Medikamente und Notfallgepäck seien besonders für Kinder, Pflege- und Hilfsbedürftige wichtig. Die Hepper-Halle oder die Turnhalle im Feuerhägle dienen als Sammelpunkte im Notfall, doch es bräuchte eine wahre „Menschenkarawane“, um dort alle sicher zu versammeln. Noch besser seien gut erreichbare Treffpunkte im Sozialraum, was die lokale Resilienz stärken würde. Notfalltreffpunkte müssten die Bedürfnisse aller berücksichtigen, also auch von Kindern, älteren oder bewegungseingeschränkten Menschen.

Technische Hilfsmittel wie Warn-Apps seien nützlich, könnten jedoch weder Sirenen noch persönliche Nachbarschaftshilfe ersetzen. In der Diskussion wurde gefragt, ob Hirschau bzw. die Stadt Tübingen wieder Sirenen installieren sollte. Dr. Krüger betonte, dass Resilienz in der Gemeinschaft davon lebt, dass alle mitmachen und nicht nur auf die Profis warten. Dabei warnte er vor „Katastrophendemenz“: Viele Menschen wiegen sich in Sicherheit – bis die nächste Krise kommt. Proaktive Vorbereitung sei entscheidend: Schon heute könne man überlegen, wer wem hilft und wer Unterstützung benötigt, da professionelle Hilfs- und Rettungskräfte nicht überall gleichzeitig sein können. Wie wichtig Hilfsbereitschaft und viele Helfende sind, zeigte sich auch beim Ahrtal-Hochwasser 2021. Umgekehrt wird Resilienz oft erst „sichtbar“, wenn sie fehlt.

Dr. Krüger verwies zudem auf die neue BBK-Broschüre zur Krisenvorsorge, die einen Vorrat für drei bis fünf Tage empfiehlt und Checklisten etwa für Notfallgepäck enthält. Ein internationaler Vergleich zeigte, dass Deutschland vor allem auf zivile Aspekte setzt und der Bevölkerung eine eher passive Rolle zuweist, während aktive Eigenvorsorge und Beteiligung deutlich wirkungsvoller sind.

Die Veranstaltung verdeutlichte, dass Krisenvorsorge keine Angststrategie ist, sondern praktische Vorbereitung für alle Bürgerinnen und Bürger bedeutet. Durch die Kombination von Eigenvorsorge, gut erreichbaren Treffpunkten im Sozialraum, Zusammenhalt in der Nachbarschaft, gegenseitiger Hilfe sowie Unterstützung von Hilfsorganisationen kann Hirschau auch in extremen Lagen handlungsfähig, solidarisch und krisenfest bleiben. Der Abend bot zahlreiche praktische Tipps, anschauliche Beispiele und Denkanstöße. Er machte deutlich, dass man, wenn es mal erst wird,  weniger auf staatliche Maßnahmen setzen sollte: Eine krisenfeste Gesellschaft lebt von Vorbereitung, Gemeinschaft und aktiver Beteiligung. Die Teilnahme mehrerer Ortschaftsrät:innen zeigte, dass das Thema auch kommunalpolitisch ernst genommen wird.

Am Ende wurden zudem 200 € Spenden gesammelt, um die kriegsgeplagte Ukraine zu unterstützen.

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