Wenn das Geld nicht reicht: Tübingens Weg durch die Haushaltskrise

30 Aug. von Gunter Neubauer

Wenn das Geld nicht reicht: Tübingens Weg durch die Haushaltskrise

Der Ortschaftsrat hat kürzlich die Anmeldung von Maßnahmen für den Haushalt 2026 der Stadt Tübingen diskutiert und einstimmig beschlossen. Dabei befindet sich Tübingen – wie viele andere Kommunen – in einer finanziell angespannten Lage. Während der Haushalt 2023 noch mit einem Überschuss abschloss, lag das Defizit 2024 bereits bei rund 20 Millionen Euro. Die finanzielle Situation hat sich also innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtert.

Zwischen steigenden Ausgaben und sinkenden Spielräumen

Hauptursachen sind stark steigende Ausgaben bei stagnierenden Einnahmen, kontinuierlich wachsende Sozial- und Personalkosten sowie die Übertragung neuer Aufgaben durch Bund und Land – obwohl Pflichtaufgaben häufig ohne ausreichende finanzielle Ausstattung. Gleichzeitig besteht ein erheblicher Sanierungs- und Investitionsbedarf, insbesondere bei öffentlichen Gebäuden und der Infrastruktur, was die Haushaltslage zusätzlich belastet.

Der Haushaltsentwurf für 2025 wies ursprünglich ein Defizit von rund 25 Millionen Euro aus. Trotz bereits beschlossener Einsparungen in Höhe von 12,4 Millionen Euro waren weitere Kürzungen nötig, da das Regierungspräsidium den ursprünglichen Entwurf nicht genehmigte.

Der Gemeinderat reagierte mit drastischen Maßnahmen

Zur Reduzierung des Defizits hat der Gemeinderat neben Einsparmaßnahmen auch die Grundsteuer B sowie die Gewerbesteuer deutlich angehoben. Diese Maßnahmen sollen das Defizit auf rund 150.000 Euro begrenzen.

Tübingen steht damit exemplarisch für viele deutsche Städte: Die finanziellen Spielräume schwinden, während die Anforderungen weiter steigen – ohne dass ausreichende Mittel von Bund oder Land bereitgestellt werden.

Was heißt das für Hirschau?

Wir müssen davon ausgehen, dass die Mittel auch für Hirschauer Belange knapp bleiben – selbst in wirtschaftlich besseren Zeiten blieb schon manches auf der Strecke. Umso mehr sind wir nun gefordert, sorgfältige Abwägungen zu treffen und Prioritäten zu setzen.

Für die kommunalen Gremien wie den Gemeinderat und den Ortschaftsrat bedeutet das eine große Herausforderung: Unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse stehen oft in Konkurrenz – teils gegeneinander, teils nebeneinander.

Wir hoffen, dass sich in dieser angespannten Lage nicht der Ton verschärft, sondern alle Beteiligten weiterhin sachlich, fair und respektvoll miteinander umgehen – und dass auch die Bürgerinnen und Bürger Verständnis für die schwierige finanzielle Situation zeigen.

Barbara Göger

zuerst veröffentlicht auf hirschau-aktuell.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert